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Silicon Valley Tour:
Ein Kommentar über unsere Tour und das Valley im Allgemeinen von einem unserer Mitglieder: Daniel Mayorov

Claus Kleber war letztens im Silicon Valley (https://www.youtube.com/watch?v=Bmxk0D2EsJI), es hat ihm aber offensichtlich nicht gefallen. Sein Fazit klingt kindisch trotzig und naiv verbissen. Man müsse die Kontrolle wahren, die Gefahren erkennen, die Entwicklungen bekämpfen, sich abschotten – erinnert an so manchen aktuellen europäisch-politischen Diskurs.

Wir zehn vom Founders Club müssten zur etwa selben Zeit wie Kleber dort gewesen sein. Bei ständig strahlender Sonne und rappelvollem Kalender dank Orga-Chef Thomas, besuchen wir Start-Ups, etablierte Firmen und Universitäten, lassen uns von Förderprogramm-Sprechern einladen und auf Meet-Ups ausfragen – die sonderbare Horde Deutscher weckt sichtliche Neugier unter den Einheimischen, die einst selbst aus ganzer Welt dem Traum hinterher in die Bay-Area kamen.

Wenn man hier auf der Straße kurz stehen bleibt und lauscht, hört man immer irgendwen irgendwo die Söhne der Region preisen, Musk, Jobs, Brin, Zuckerberg… Hinter vielen Fassaden des hügeligen San Francisco und des südlich der Stadt gelegenen Silicon Valley befinden sich Start-Ups, Inkubatoren und sonstige Szenenvertreter. Für alle, die in der Welt der Innovation Rang und Namen haben oder ihn erstreben, ist der Standort ein Muss, lassen wir uns erklären. Wir treffen keine raffgierigen Kapitalisten; die meisten Menschen sind Visionäre oder zumindest – in gutem Sinne und weniger hochgestochen – Träumer. Ihnen glänzen die Augen, wenn sie von ihrem Produkt und der Arbeit erzählen, wenn sie die Möglichkeiten und den Nutzen aufzuzeigen versuchen. Der finanzielle Part entreißt sie aus ihrer Erzählung, gleich, ob sie noch ungewiss der Zukunft das Funding-Budget schöpfen oder bereits Millionen umsetzen. Jeder nimmt sich für uns und unsere Fragen unbegrenzt Zeit, trotzdem wir uns höchstwahrscheinlich nie wieder sehen – und nie sind es irgendwelche PR-Futzis, die etwas zu pflegen versuchen; manchmal sind’s CEOs, die unseretwegen ihren Arbeitstag verlängern und manchmal Fachkräfte, die ihre CEOs entschuldigen – als hätten wir Anspruch darauf gehabt, diese persönlich zu treffen… Die Fachkräfte wohnen hier übrigens, trotz Top-Ausbildung und gutem Salär, in WGs – weil die Mieten unfassbar hoch sind. Aus dem Valley wegziehen und woanders wie die Oberschicht leben steht nicht zur Debatte. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Alltag hier sich größtenteils zwischen Meet-Ups und Büro abspielt, denn die Legende ist wahr – die Büros der größeren Start-Ups wie AirBnB oder Stripe erinnern sehr an ein optimiertes Zuhause, samt obligatorischer Kickertische, freier Arbeitszeiten und Hängematten und läuten auch hinsichtlich der Arbeitsbedingungen eine kollaterale Revolution ein. Einzig deutsche Vertreter, allen voran Mercedes, hinterlassen den traurigen Eindruck, man hätte bis gestern wie Kleber gedacht und wolle nun unbeholfen aber Selbstdarstellung wahrend, eilen, den ganzen Elektrischen und Selbstfahrenden hinterher. Immerhin: Einen Kickertisch haben sie auch.

Das Leben im Valley ist unheimlich teuer, und Platz für alle, die die Zukunft mitgestalten wollen, wäre dort sowieso nicht. Deutschland muss Bedingungen schaffen, die für die Start-Up-Szene notwendig sind – mehr fördern, investieren und kommunizieren; weniger regulieren und mit Scheitern Ängste schüren. Auf die 300 Tage Sonne verzichten wir dann gutmütig.

Bekannt ist: Wie man in den Wald hinein ruft, so hallt es wieder raus – und der Kampf gegen die Mühlen der Innovation und Fortschritts ist immer zum Scheitern verurteilt. Hoffen wir, dass Kleber und Co. Ihre öffentlichkeitswirksame Darstellung überdenken, sonst werden wir, die junge Generation Europas, zu Verlierern werden – wie beim Brexit.

Daniel Mayorov